Geld

Der Bund in der Forschungsfinanzierung

«Der Bund fördert die wissenschaftliche Forschung und die Innovation», heisst es in der Bundesverfassung. Tatsächlich fliesst Jahr für Jahr eine eindrückliche Summe in die Schweizer Forschung. Aber wie genau funktioniert diese Finanzierung?

Dieser Artikel entstand im Rahmen des Reatch-Förderprogramms Scimpact.

2017 investierte die Schweizer Regierung rund sechs Milliarden Franken in Forschung und Innovation. 2015 gab die Schweiz gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt (3.4%) weltweit am drittmeisten für ihre Forschung und Innovation aus [1]. Die jährlichen Ausgaben für Forschung und Innovation wuchsen seit 2008 im Schnitt um 4.4% und auch der Bundesbeschluss des Bundesrates für die Periode von 2021-2024 zeigt ähnliche Tendenzen [2].

Diese eindrücklichen Zahlen zeigen, wie wichtig die Forschungsförderung in der Schweiz ist. Doch wie genau werden Steuergelder für Forschung ausgegeben und welche Bedingungen muss ein Forschungsprojekt erfüllen, um finanziert zu werden?

Das «Who's who» der Schweizer Forschungsfinanzierung

Forschung und Entwicklung in der Schweiz wird nebst Beiträgen aus der Privatwirtschaft durch Fördermittel des Bundes finanziert.

Dafür zuständig ist das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Das SBFI ist bestrebt, Artikel 64 der Bundesverfassung zu erfüllen: «Der Bund fördert die wissenschaftliche Forschung und die Innovation.» Die eigentliche Aufgabe, konkrete Forschungs- und Innovationsprojekte zu unterstützen, kommt den Institutionen der Forschungsförderung zu, die der Bund finanziell unterstützt [3].

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) ist die bekannteste staatliche Institution, wenn es um die Finanzierung von Forschungsprojekten geht. Der SNF ist für die Förderung der Grundlagenforschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen zuständig. Dies bewältigt er grösstenteils durch Projektförderung, bei der Beiträge an Forschende für verschiedene Projekte vergeben werden. Der SNF fördert ausserdem den wissenschaftlichen Nachwuchs durch die Vergabe von Stipendien und durch Doktoranden- oder Postdocstellen, die in Forschungsprojekten geschaffen werden. Zudem erhält der SNF vom Bund Aufträge im Rahmen von nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) und nationalen Forschungsprogrammen (NFP) zur spezifischen Programmförderung. Bei den NFS werden Forschungsgebiete etabliert und der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert [4]. Bei den NFP werden Forschungsprojekte finanziert, welche helfen sollen, ein spezifisches Ziel, wie bspw. die Bekämpfung des Coronavirus [5], zu erreichen [6]. Ebenfalls Teil der Förderung durch den SNF ist die Wissenschaftskommunikation, um den Austausch zwischen Forschenden und der Öffentlichkeit zu stärken.

Die Innosuisse ist als Schweizerische Agentur für Innovationsförderung bekannt. Sie regelt die Projektförderung anwendungsorientierter Forschung und unterstützt Innovationsprojekte, die in Kooperation zwischen Unternehmen, privaten oder öffentlichen Einrichtungen und Forschungsinstitutionen, wie beispielsweise Hochschulen, durchgeführt werden [7]. Ausserdem fördert sie Kommunikationsnetzwerke, Beratung sowie Informationsplattformen für den Technologie- und Wissenstransfer und Schulungen zur Förderung des unternehmerischen Denkens [8]. Innosuisse soll eine Brücke zwischen Markt und Forschung schaffen, um Innovationsprozesse zu beschleunigen. Unterstützt wurde zum Beispiel die Forschung an effizienteren Sonnenkollektoren, Ski-Gleitmittel oder an einem Desinfektionsmittel mit Langzeitschutz [9].

Die Akademien der Wissenschaften bewegen sich zwischen der finanziellen Förderung durch den SNF und Innosuisse auf der einen Seite und der Forschung und Lehre durch Universitäten, Fachhochschulen und Berufsschulen auf der anderen Seite. Die Dachorganisation ist ein Verbund bestehend aus der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), der Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW), der Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), der Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW), der Jungen Akademie Schweiz, sowie den beiden Kompetenzzentren TA-SWISS und Science et Cité [10]. Ziel des Verbundes ist es, die Kompetenzen und Ressourcen der Mitgliedinstitutionen zu koordinieren und zu bündeln. Dies wird unter anderem durch themenspezifische Kommissionen und Arbeitsgruppen verwirklicht. Die Energiekommission hat beispielsweise das Ziel, die Kompetenzen der vier Akademien zum Thema Energie zusammenzufassen und dadurch die Forschung und den Dialog zwischen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Aspekten zu fördern [11]. Die gesetzlich definierte Aufgabe der Einzelakademien ist die «Stärkung der Zusammenarbeit in und zwischen allen wissenschaftlichen Disziplinen und die Verankerung der Wissenschaft in der Gesellschaft» [12]. Die Akademien sind damit das Bindeglied zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, indem sie das Verständnis der Gesellschaft für wissenschaftliche Fragestellungen fördern. Ein Beispiel hierfür ist die Veranstaltung Rendez-vous mit der Wissenschaft, bei der Forschende mit Besucher*innen ins Gespräch kommen.

Weitere Unterstützung

Neben diesen drei zentralen Playern unterstützt der Bund «Forschungseinrichtungen von nationaler Bedeutung» mit entsprechenden Beiträgen. Zum Beispiel das Schweizerische Tropen- und Public Health Institut, die Schweizerische Paraplegiker Stiftung oder Technologiekompetenzzentren wie das Swiss Center for Electronics and Microtechnology (CSEM) [13]. Weiter werden Forschungsinfrastrukturen finanziell unterstützt, die von nationaler Bedeutung sind. Ein Beispiel hierfür ist das Swiss Polar Institute Sion [14] [15]. Des Weiteren leistet der Bund direkte Zahlungen zur Finanzierung der kantonalen Hochschulen und betreibt den ETH-Bereich eigenständig [16] [17]. Zum ETH-Bereich gehören die beiden Hochschulen ETH Zürich und EPF Lausanne, sowie die vier Forschungsanstalten Eawag, WSL, Empa und PSI [18].

Der Bund unterstützt Forschung auch über die Landesgrenzen hinweg. Im Bereich der internationalen Forschungszusammenarbeit beteiligt er sich durch die Mitwirkung in europäischen Programmen und Organisationen, deren Mittel den Schweizer Forscher*innen zur Verfügung stehen. So ist die Schweiz zum Beispiel Mitglied des Europäischen Laboratoriums für Teilchenphysik (CERN) in Genf. Ausserdem unterstützt der Bund die weltweite wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit der Schweizer Hochschulen und Forschungs- und Innovationsinstitutionen mit der Förderung bilateraler Partnerschaften [19].

Unter dem Motto «Forschung im Dienste der Gesellschaft» unterstützt der Bund im öffentlichen Interesse erbrachte Forschung. Diese wird Ressortforschung genannt. Die Bundesverwaltung setzt durch die Ressortforschung in elf Politikbereichen auf wissenschaftliche Resultate, um die Erfüllung ihrer Verwaltungsaufgaben zu optimieren [20]. Zum Beispiel wird im Bereich «Nachhaltiger Verkehr» zu den Voraussetzungen für den Einsatz automatisierter Fahrzeuge geforscht [21] und im Bereich «Landwirtschaft» versucht man herauszufinden, wie Ressourcen möglichst effizient genutzt werden können [22]. Für die Ressortforschung unterhält der Bund eigene Forschungsanstalten, vergibt Aufträge an Dritte und führt Forschungsprogramme durch [23]. Die Ressortforschung stellt das Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und Wissenschaft dar.

Bedingungen zur Förderung

Bis jetzt haben wir die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel der Forschungsfinanzierung aufgezeigt. Doch welche Bedingungen muss ein wissenschaftliches Projekt bzw. eine Wissenschaftler*in erfüllen, um diese in Anspruch zu nehmen?

Für alle bereits aufgezeigten Finanzierungsmöglichkeiten gibt es verschiedene Auswahlverfahren und Bedingungen. Beim SNF zum Beispiel wird unter anderem zwischen Projekt- und persönlicher Förderung unterschieden. Grundsätzlich müssen Forschende aber einen Antrag an den SNF stellen, der formalen Bedingungen entsprechen muss. In einem ersten Schritt wird geprüft, ob diese Formalitäten erfüllt sind. Erst dann erfolgt ein inhaltliches Review. Wichtige Auswahlkriterien dabei sind laut SNF: Aktualität, wissenschaftliche Bedeutsamkeit und Originalität des geplanten Projektes bzw. der Karriereplanung.

Nach der formalen Prüfung wird das Gesuch in einem Peer Review-Verfahren von unabhängigen Experten evaluiert. Im letzten Schritt bewertet die zuständige Fachreferentin des SNF das Gesuch und stellt es dem Fachgremium im SNF vor, das über die Annahme oder Ablehnung des Gesuches entscheidet. Schlussendlich entscheidet das Präsidium des SNF über die definitive Geldsprechung. Bei der Karriereförderung variiert dieses Verfahren leicht. Es ist aber ebenfalls durch mehrere Stufen und Gremien gekennzeichnet. Für ein Projekt dauert der Prozess normalerweise sechs, in der Karriereförderung 4-10 Monate. Eine detaillierte Übersicht zu den Auswahlverfahren gibt dieses Video.

Wissenschaftler*innen müssen also strikte Formalitäten beachten, ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen und ihr Projekt vor verschiedenen Gremien verteidigen, um Forschungsgelder vom Bund zu erhalten.

Fazit

Mit dieser Übersicht konnte erst ein grober Überblick zur Schweizer Forschungsfinanzierung gegeben werden. Doch nur schon die oben dargestellte Ausgestaltung der staatlichen Forschungsfinanzierung mit ihren vielfältigen Institutionen, Programmen und Infrastrukturen zeugt von deren Komplexität. Doch davor dürfen weder Forschende noch andere Bürger*innen zurückschrecken.

Wir sind der Meinung, dass Kenntnisse über die Forschungsfinanzierung nötig sind, um deren Verteilung kritisch zu hinterfragen und die Verantwortung der Wissenschaft und Politik gegenüber der Gesellschaft zu evaluieren. Genau das tun wir in einer Podiumsdiskussion am 20. Mai, in der wir mit Personen an Schnittpunkten zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung diskutieren, wie gemeinsam Verantwortung übernommen und Vertrauen geschaffen werden kann.

Events zum Thema

Referenzen

[1]

Schweizerischer Nationalfonds (SNF) (2019): Forschungsplatz Schweiz (online verfügbar unter: https://www.google.com/url?sa=...).

[2]

Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) (2018): Finanzierung von Forschung und Innovation durch den Bund ab 2008. Bericht im Auftrag der SAGW, verfasst von Sabina Schmidlin (online verfügbar unter:

https://sagw.ch/sagw/aktuell/n...

).

[3]

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI): Förderpolitik (online unter: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/forschung-und-innovation/forschung-und-innovation-in-der-schweiz/foerderpolitik.html), (S. 5).

[5]

SNF (2021): Covid-19 Nationales Forschungsprogramm (online unter: https://www.nfp78.ch/).

[6]

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI): Förderpolitik (online unter: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/forschung-und-innovation/forschung-und-innovation-in-der-schweiz/foerderpolitik.html), (S. 40-55).

[7]

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI (2016): Forschung und Innovation in der Schweiz 2016. (online unter: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/dienstleistungen/publikationen/publikationsdatenbank/forschung-und-innovation.html), (S. 35 -36).

[8]

Finanzbericht BFI, S. 30.

[10]

Akademien der Wissenschaften Schweiz (2021): Über uns (online unter: https://akademien-schweiz.ch/de/uber-uns/).

[11]

Akademien der Wissenschaften Schweiz (2021): Erweiterte Energiekommission (online unter: https://akademien-schweiz.ch/en/uber-uns/kommissionen-und-arbeitsgruppen/energie/).

[12]

Bundesgesetz über die Förderung der Forschung und der Innovation (FIFG), SR 420.1, Art. 11 Abs. 1 FIFG

[14]

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI (2019): Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen im Hinblick auf die BFI-Botschaft 2021–2024 (online unter: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/forschung-und-innovation/forschung-und-innovation-in-der-schweiz/schweizer-roadmap-fuer-forschungsinfrastrukturen.html), (S. 7).

[15]

Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) (2018): Finanzierung von Forschung und Innovation durch den Bund ab 2008. Bericht im Auftrag der SAGW, verfasst von Sabina Schmidlin (online verfügbar unter: https://sagw.ch/sagw/aktuell/n...), (S. 60).

[17]

ETH Zürich (2021): ETH-Bereich (online unter: https://ethz.ch/de/die-eth-zuerich/organisation/eth-bereich.html).

[18]

ETH Zürich (2021): ETH-Bereich (online unter: https://ethz.ch/de/die-eth-zuerich/organisation/eth-bereich.html).

[19]

SBFI (2021): Internationale Forschungs- und Innovationszusammenarbeit (online unter: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/forschung-und-innovation/internationale-f-und-i-zusammenarbeit.html).

[20]

Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) (2018): Finanzierung von Forschung und Innovation durch den Bund ab 2008. Bericht im Auftrag der SAGW, verfasst von Sabina Schmidlin (online verfügbar unter: https://sagw.ch/sagw/aktuell/n...), (S. 72).

[21]

UVEK, ASTRA und BAV (2020): Forschungskonzept Nachhaltiger Verkehr 2021-2024 (online unter: https://www.ressortforschung.admin.ch/rsf/de/home/themen/forschung-nach-politischen-bereichen/nachhaltiger-verkehr.html).

[22]

SBFI (2021): Die Ressortforschung im Bereich Landwirtschaft (online unter: https://www.ressortforschung.admin.ch/rsf/de/home/themen/forschung-nach-politischen-bereichen/landwirtschaft.html).

Autor*innen

Angela Odermatt studiert Politikwissenschaften und Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich und ist Geförderte der Schweizerischen Studienstiftung. Zu Reatch ist sie durch das Scimpact-Programm gekommen.

Autor*in

Sina Benesch studiert Politikwissenschaften und Recht an der Universität Zürich. Ihr besonderes Interesse gilt der Schweizer Politik und Institutionen, sowie den Grundrechten.

Der vorliegende Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autor*innen wieder und entspricht nicht zwingend derjenigen von Reatch oder seiner Mitglieder.